Was Stellenangebote beschreiben – und was Jobsucher verstehen

@karrierebibel hat diesen hübschen Spiegelartikel lobend bezwitschert:  Was Bewerber schreiben – und was Personaler verstehen.

Jochen Mai, der für karrierebibel twittert (übrigens in der Regel sehr lesenswert) schrieb auf meine Nachfrage was an dem Artikel so begeistert habe:

Humorvoll. Pointiert. Originell. Übersichtlich. Inspirierend. Fokussiert. Hilfreich. Appelliert an die Intelligenz des Lesers

Ich find die 140 Twitter Zeichen für eine sinnvolle Auseinandersetzung damit ‘n bisserle kurz, aber ich bin halt auch sprach-affin.

Damit meine ich nicht, dass ich konkrete Sprachen spreche, sondern dass ich mich für den formellen Aufbau von Sprachen interessiere, natürlichen wie künstlichen, “toten” wie lebenden, ich finde Sprache an und für sich geil und Sprachphilosophie super spannend. Ich kann aber nur Deutsch und Englisch wirklich gut, ein bisschen französisch, genug Latein für grobes Textverständnis, Mittelhoch/niederdeutsch, Althoch/niederdeutsch und Mittelenglisch ausreichend für passable Übersetzungen, ich kann so ziemlich jede Sprache romanischen oder germanischen Ursprungs im Groben verstehen. Das würde ich im Leben nicht in eine Bewerbung schreiben! Klingt arrogant und nimmt von meiner 1 Seite Anschreiben zuviel weg, den meisten ist es auch egal, dass ich Sprachen lesen kann von denen viele nicht mal wissen, dass es sie gibt. Deshalb schreibe ich, dass ich eine Affinität zu Sprachen habe. Nur um mal eben das Beispiel welches ich auf Twitter ansprach zu beleuchten. Wenn mich das in den Augen eines Personalers uninteressant macht, weil ich ein breitgefächertes Interessengebiet mit Hilfe einer standardisierten Redewendung auf einen Satz herunterzubrechen weiß, dann interessiert mich das Unternehmen, welches diesen Personaler für sie arbeiten lässt nicht mehr.

Um das Ganze jetzt einfach mal umzudrehen, schnapp’ ich mir das Schema, die ersten fünf Stellenangebote die ich in der Karrierebibel-Jobbörse finde und guck mal was ich so denke wenn ich die Beschreibungen lese. Ich bin jetzt mal nicht so vermessen, von mir auf alle anderen zu schließen auch wenn der Titel das natürlich nahelegt.

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Im Gegensatz zu dem Spiegel-Autoren möchte ich jetzt nicht einfach hier aufhören und das so stehen lassen.

  1. Wer seine Jobangebote (und seine Website) in Floskeln präsentiert der wird auch genau das in Bewerbungen bekommen – denn Bewerber passen sich an Unternehmen an, bei denen sie arbeiten möchten.
  2. Wer eine richtig gute Stelle anzubieten hat, der sollte sie auch so anpreisen. Und nicht wohklingende hohle Phrasen dreschen.
  3. Oder kurz: wer mittelmäßige Stellenangebote formuliert der kriegt auch nur mittelmäßige Bewerber.

Wie kann mans besser machen?

Was ich wissen wollen würde, bevor ich einen Job antrete:

Wie sähe mein ganz normaler Arbeitsalltag aus, wenn mein künftiger Chef ihn, mit dem idealen Kandidaten besetzt, beschreiben würde?

Wo das Unternehmen im Markt positioniert ist, das weiß ich wenn ich gucke ob dort Stellen angeboten werden. Ich werde mich auch über das Image des Unternehmens erkundigen und mir angucken wie es auf den Plattformen des WWW mit seinen Kunden umgeht, ich werde Erfahrungsberichte von Mitarbeitern suchen.

Aber was ich ganz konkret auf der angebotenen Stelle tun soll, das kann mir nur das Unternehmen sagen. Und wenn “kreative Mittzwanziger mit einem BA in BWL, VWL, oder ähnlichem, reiselustig, mobil, ungebunden und mit 10 Jahren Erfahrung und nachweisbarem Erfolg” gesucht werden – dann nimmt es nicht Wunder, dass die Bewerber zu 90% total scheiße, zu 5% erträglich wenn sie unter Durchschnittsgehalt arbeiten, zu 3% passabel geeignet, zu 1,99% schon okay und zu 0,01% der Traumkandidat sind.

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